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Finanzkrise: Bahn-Börsengang stoppen!

5-Minuten-Info

Die Welt durchlebt gegenwärtig die gravierendste Finanzmarktkrise der letzten Jahrzehnte. Weltweit werden Börsengänge abgesagt, weil die Kurse sich im freien Fall befinden. Doch Bahnchef Hartmut Mehdorn hält stur an seinen Plänen fest. Er will den Transportbereich der Deutschen Bahn bis zum 27. Oktober teilprivatisieren – scheinbar um jeden Preis.

Heuschrecken über der Bahn

Spottpreis durch Börsencrash

Acht Milliarden Euro sollte die Privatisierung von 24,9 Prozent des Transportbereichs der Deutschen Bahn AG in den Haushalt spülen. Das Geld soll auch die Bahninfrastruktur investiert werden. Schon diese Summe erschien als viel zu gering, angesichts eines geschätzten Gesamtwerts des Transportbereichs der Bahn von gut 55 Milliarden Euro (Angabe nach einer Statistik des Bundesverkehrsministeriums). Doch Analysten gehen davon aus, dass derzeit nicht einmal vier Milliarden Euro zu realisieren sind. Es droht eine Verschleuderung öffentlichen Eigentums!

Der freie Fall der Aktienkurse, der massive Engpass an Kapital und die äußerst angespannten Stimmung auf den Finanzmärkte drücken empfindlich auf den Kaufpreis. Die vier Großbanken, die den Börsengang als Konsortialführer organisieren, sind zudem selber massiv unter Druck. Goldman Sachs und Morgan Stanley suchen händeringend nach Geldgebern, die sie vor einem Zusammenbruch wie bei Lehmann Brothers und Merrill Lynch bewahren. Und auch die Schweizer Bank UBS und die Deutsche Bank sind von der Krise schwer betroffen. Sie haben sich auf dem Immobilienmarkt verzockt, jetzt dürfen sie nicht noch die Bahn verzocken!

Zudem drückt die drohende weltweite Rezession massiv auf den Preis. Schließlich ist das Logistikgeschäft der Bahn und damit die zu erzielende Rendite sehr konjunkturabhängig. Der Verkehrsexperte der FDP, Horst Friedrich kommentiert: „Investoren werden diese Situation ausnutzen: Sie werden Aktien nur unter der Bedingung kaufen, dass sie zum Niedrigstpreis zu haben sind.“ (Mehr in der Berliner Zeitung)

Heuschrecken über der Bahn

Mehdorn bleibt Sturkopf

Doch Bahnchef Hartmut Mehdorn hält stur am Börsengang fest. Der Bahnvorstand fürchtet, dass die völlig unausgegorene Privatisierung nach einer Verschiebung gar nicht mehr durchzusetzen ist. Ein führender Vertreter der den Börsengang organisierenden Banken gegenüber der Wirtschaftswoche: „Natürlich ist das Mist, aber wir machen weiter. Eine Verschiebung geht nicht – aus Sicht der Bahn.“ Die Gefahr wüchse, dass die Gegner der Privatisierung das Projekt ganz kippen. „Wenn die Bahn jetzt nicht kommt, dann verschiebt sich der Börsengang vielleicht um Jahre.“ (Mehr in der Wirtschaftswoche)

Bisher lässt der Bund der Bahn freie Hand und nimmt an den meisten Beratungen zur Abwicklung des Börsengangs erst gar nicht teil. Diese soll demnächst in die heiße Phase eintreten: Bei der sogenannten „Roadshow“ wollen Mehdorn & Co. vom 13. bis 27. Oktober auf Investorensuche gehen. Besonders Gazprom, russische Banken und die Russische Staatsbahn RZD sollen bevorzugte „strategische Investoren“ sein. Kleinanleger können hingegen nur 5 oder 10 Prozent des Aktienpakets erwerben. (Mehr in der Süddeutschen Zeitung)

Heuschrecken über der Bahn

Jetzt die Privatisierung kippen!

Jetzt müssen Bundesfinanzminister Steinbrück und Verkehrsminister Tiefensee der Verscherbelung von öffentlichem Eigentum zu Schnäppchenpreisen endlich ein Ende setzen. Steinbrück scheint nach internen Informationen bereits eine Verschiebung des Börsengangs zu erwägen. Jetzt müssen wir ihn nur noch zum Jagen tragen.

Ein Aussetzen der Bahnprivatisierung birgt die Chance, das gesamte Privatisierungsmodell erneut zu überdenken. Die für Dezember angekündigten, massiven Preiserhöhungen sind die neueste Warnung: Gewinnen Kapitalinvestoren Einfluss auf die Deutsche Bahn, so werden Entscheidungen lediglich nach Rendite-Gesichtspunkten gefällt. Es drohen stillgelegte Strecken, aus­gedünnte Fahr­pläne, ein schlechterer Service und höhere Fahr­preise (Mehr in unserer Analyse des im Mai beschlossenen Privatisierungs-Modells). Damit lässt sich keine zukunftsfähige Bahn schaffen, die Bürger/innen zum Umstieg vom Auto und Flugzeug zur klimafreundlichen Alternative einlädt.

Fordern Sie von den Minister Steinbrück und Tiefensee ein Aussetzen des Börsengangs. Dann hätten wir beste Chancen, die unausgegorene Pläne zur Bahnprivatisierung zu Fall zu bringen!