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5-Minuten-Info

Erneuerbare Energien statt Kohle und Atom

"Atomkraft ist eine Brückentechnologie ins solare Zeitalter" – so werben Union und FDP für längere AKW-Laufzeiten. Doch viele Abgeordnete sind unsicher, ob die Wähler/innen ihnen das abnehmen. Denn der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch beträgt schon heute 16 Prozent und wächst rasant weiter. Bis zum Jahr 2050 sind 100 Prozent möglich. Diese Ausbaudynamik macht den Neubau klimaschädlicher Kohlekraftwerke ebenso überflüssig wie längere AKW-Laufzeiten.

Ob die AKW-Laufzeiten trotzdem verlängert werden, hängt von den Abgeordneten von FDP und CDU/CSU ab. Sie schauen auf die Stimmung in ihrem Bundestagswahlkreis, wo sie wiedergewählt werden wollen: Schlägt ihnen massiver Unmut entgegen oder schlucken die Wähler/innen daheim ein Comeback der Atomkraft? Hier wollen wir ansetzen: Tragen Sie jetzt mit uns den Protest in Ihren Wahlkreis.

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Entwicklung der Erneuerbaren Energien

Vor knapp zwanzig Jahren, im Sommer 1993, erschienen in deutschen Zeitungen großformatige Annoncen von Energiekonzernen. "Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als vier Prozent unseres Strombedarfs decken", hieß es darin. Doch wie so viele andere Vorhersagen zum Thema wurde auch diese von der Wirklichkeit überholt: Heute decken Erneuerbare Energien bereits 16 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs, in einzelnen Bundesländern – etwa Brandenburg – sind es bereits 60 Prozent (mehr dazu).

100 Prozent Erneuerbare Energien sind möglich

Verschiedene Studien belegen, dass Deutschland in den nächsten Jahrzehnten praktisch vollständig auf klimaschonende, erneuerbare Energien umsteigen kann – und zwar ohne dass es zu Stromausfällen kommt oder die Preise explodieren. Im Auftrag von Greenpeace erstellte beispielsweise das Aachener Institut EU-Tech ein umfassendes Klima- und Energiekonzept für Deutschland namens "Plan B", das zeigt, dass Klimaschutz und ein schneller Atomausstieg vereinbar sind. Die "Leitstudie 2008", die das renommierte Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Bundesumweltministeriums vorlegte, sieht den Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch schon im Jahr 2020 bei 30 Prozent. Bereits 2030 kann ihr Anteil auf über 50 Prozent klettern.

Eine Untersuchung, die von der European Climate Foundation Mitte April in Brüssel vorgestellt wurde, geht noch weiter: Für das Jahr 2050 wurden verschiedene Energieszenarien durchgerechnet – mit 40, 60, 80 und mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien. Ergebnis: Eine vollständige Versorgung Europas mit Energie aus regenerativen Quellen (inklusive Solarstrom aus Nordafrika) ist bis Mitte des Jahrhunderts schaffbar, und ein solches Energiesystem ist genauso stabil und nicht wesentlich teurer als die übrigen Szenarien. Übrigens wurde diese Studie unter anderem von der Unternehmensberatung McKinsey erstellt, und auch Konzerne wie Eon oder RWE waren beteiligt.

Das Energiekonzept der Bundesregierung

Bereits vor der Bundestagswahl hatten CDU/CSU und FDP angekündigt, die Laufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke zu verlängern. Das wollen sie nun – gegen breiten gesellschaftlichen Widerstand und ohne jegliche energiepolitische Notwendigkeit – durchsetzen. Um vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Kontroversen zu vermeiden, beschloss Schwarz-Gelb in seinem Koalitionsvertrag, auf Zeit zu spielen und erst einmal ein Energiekonzept erarbeiten zu lassen – dabei gibt es Konzepte und Szenarien eigentlich schon genug.
Das "Nationale Energiekonzept" soll im Herbst beschlossen werden, bis Juni werden erste Entwürfe erwartet. Schon die ersten Schritte der neuen Regierung haben klargemacht, dass längere Atomlaufzeiten das Ziel sind, und nicht etwa die schnellstmögliche Ankunft im Erneuerbare-Energien-Zeitalter:
Als Bundesregierung und Koalitionsfraktionen festlegten, welche Szenarien in dem Konzept verglichen werden sollen, wurde eine Beibehaltung des Atomausstiegs gar nicht erst in Erwägung gezogen. Durchgerechnet werden laut Medienberichten nun vier Varianten mit Laufzeitverlängerungen von vier, zwölf, 20 und 28 Jahren. Von einem möglichen Kohleausstieg war in den Planungen bisher überhaupt nicht die Rede.

Kohle und Atomkraft blockieren die Erneuerbaren

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Sollten die im Atomausstiegsbeschluss vereinbarten Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert und weitere Kohlekraftwerke gebaut werden, entsteht zunehmend ein Überangebot auf dem Strommarkt. Da Strom aus Erneuerbaren Energien durch die Einspeisegarantie im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Vorrang gegenüber Strom aus anderen Quellen besitzt, werden die Energiekonzerne immer häufiger auf ihrem Kohle- und Atomstrom sitzen bleiben – etwa bei hoher Sonneneinstrahlung und starkem Wind. Das Fraunhofer-Institut hat ausgerechnet, dass bei einem zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien schon im Jahr 2020 nur noch gut die Hälfte der heutigen Großkraftwerke gebraucht würden.

Großanlagen auf Atom- und Kohlebasis drohen also, durch Sonne, Wind und Wasser unrentabel zu werden – die Konzerne haben also allen Grund, den Ausbau der Erneuerbaren Energien noch mehr als derzeit schon zu blockieren. Zum Beispiel dürften sie mit massivem politischen Druck versuchen, gesetzliche Regelungen, die den Ausbau der Erneuerbaren begünstigen, zu beschneiden – etwa den Einspeisevorrang gegenüber anderen Energiequellen und die kostendeckende Einspeisevergütung. In Großbritannien hat die dortige Eon-Tochter in einer Regierungsanhörung offen gefordert, die Förderung der Erneuerbaren dürfe "nicht unbegrenzt" sein (mehr dazu).

Kohle und Atom blockieren Erneuerbare

Atom- und Kohlekraftwerke sind unflexibel

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen weist eindringlich darauf hin, dass "aufgrund des Systemgegensatzes zwischen Kraftwerken, die technisch-ökonomisch auf Grundlast angelegt sind, und stark fluktuierenden regenerativen Energiequellen der geplante Neubau von erheblichen Kapazitäten von Kohlekraftwerken mit einer Übergangsstrategie auf eine vollständig regenerative Energieversorgung unvereinbar" ist (Studie). Wenn ein Energiekonzept auch künftig noch stark auf Kohle oder Atom setzt, so die Experten, "müsste der Anteil der regenerativen Energiequellen deutlich begrenzt werden". Im Gegenzug heißt das: Wer die Erneuerbaren Energien fördern will, darf keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen und die Reaktorlaufzeiten nicht verlängern.

Nötig wären stattdessen Investitionen in effiziente und flexible Kraftwerke etwa auf Erdgasbasis, die bei zunehmendem Anteil der schwankenden Windkraft als Lückenkraftwerke einspringen können. Die Stromkonzerne argumentieren gern, dass selbst bei fünfzigprozentigem Anteil an Erneuerbaren Energien die andere Hälfte der Energie doch auch noch irgendwo herkommen müsse – und zwar aus Atom- oder Kohlekraftwerken. Doch das ist Demagogie: Um im Jahresdurchschnitt einen fünfzig- oder sogar nur dreißigprozentigen Erneuerbaren-Anteil zu erreichen, muss jede mögliche Kilowattstunde Windstrom genutzt werden. Das heißt, dass zeitweise auch ein achtzig- oder gar hundertprozentiger Windanteil im Strommix möglich sein muss – doch Atom- und Kohlekraftwerke können nicht flexibel und schnell genug herunter- und wieder angefahren werden und blockieren somit die Einspeisung der Erneuerbaren Energien.

Neue Kraftwerke schaden den Erneuerbaren

Intelligente Stromnetze für die Energie der Zukunft

Sollen Erneuerbare Energien bis 2050 die Stromversorgung übernehmen, müssen HEUTE die Weichen gestellt werden. Die Energieversorger müssen in den kommenden Jahren ohnehin Milliarden investieren, um ihren veralteten Kraftwerkspark zu erneuern. Bisher planen sie, einen Großteil des Geldes in weitere Kohlekraftwerke zu stecken – Klimaschutzforderungen suchen sie mit dem Verweis auf die unreife und teure CCS-Technologie der CO2-Abspeicherung und -Verpressung zu beruhigen.

Gebraucht werden künftig auch vollkommen andere Stromnetze ("Smart Grid") – sie müssen so aufgebaut sein, dass sie dezentral Energie aufnehmen und auch den Strom der geplanten Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee nach Süddeutschland leiten können. Mittelfristig müssen zudem mehr Speicherkapazitäten für Strom entstehen. Zumindest begonnen haben die Konzerne mit dem notwendigen Umbau, aber noch immer stecken sie viel Geld in die veralteten Technologien Kohle und Atom. Aus ihrer Sicht ist das sogar verständlich: Mit zentralen Kraftwerken konnten sie bisher mehr Geld verdienen, und eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten bringt in jedem der alten, längst abgeschriebenen Reaktoren Gewinn von rund einer Million Euro – pro Tag!

"Wäre doch schön, wenn wir zusammenblieben", titelt das Deutsche Atomforum auf einer Werbepostkarte und meint damit: Atomkraft und Erneuerbare Energien vertragen sich prächtig. Doch das ist nur Propaganda – aber eine geschicktere als die platten Falschbehauptungen in den Zeitungsanzeigen vor fast zwanzig Jahren.

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